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Wie gut schützt uns die Natur noch?

ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index zeigt Sachsen dunkelrot

Mischwald im Vogtland – Foto: Perry Wunderlich
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Mischwald im Vogtland – Foto: Perry Wunderlich

14. Juli 2026 - Das Ergebnis alarmiert: Viele Regionen verlieren ihre Fähigkeit, Hitze zu mildern, Wasser in der Landschaft zu halten und die Folgen der Klimakrise abzufedern.

In Sachsen zeigt sich, wie die Veränderungen der Landschaft infolge intensiver Bewirtschaftung, Versieglung und Zerschneidung die natürliche Infrastruktur beeinträchtigt. Nur wenige Gebiete, wie die Dübener und Dresdener Heide, die Moritzburger Teichlandschaft oder das Erzgebirge zeigen ein gutes oder gar sehr gutes Potential. Sie repräsentieren eine stabile und gut vernetzte natürliche Infrastruktur, die ihre Ökosystemleistungen in großem Umfang ausführen. Diese Regionen stechen jedoch inselartig hervor. Auffällig ist, dass es kaum funktionierende Verbundsysteme gibt. Die großen Flusslandschaften Sachsens sind kaum zu erkennen, deren Auen in jedem Biotopverbund, aber auch im natürlichen Klimaschutz eine herausragende Rolle spielen. Selbst die europarechtlich geschützten FFH-Gebiete zeigen durchweg eine kritische Schädigung oder höchstens mäßiges Leistungspotential auf.

 „Der ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index macht deutlich: Natur ist keine Kulisse, sondern unsere natürliche Infrastruktur. Intakte Wälder, Moore, Auen und Grünflächen speichern Wasser, kühlen ihre Umgebung und machen unsere Landschaften widerstandsfähiger gegen die Folgen der Klimakrise“, sagt NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger. Der GFKI bewertet Landschaften anhand der drei Faktoren Grün, Feucht und Kühl. Besonders intensiv genutzte Agrarregionen, stark versiegelte Städte und ausgebaute Gewässerräume weisen häufig Defizite auf. Der bundesweite Trend ist negativ.

„Die Ergebnisse des ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index‘ und seines Veränderungstrends beruhen nicht auf Experteneinschätzungen, sondern werden gemessen. Es werden vor allem große Mengen hochauflösender Satellitendaten eingesetzt. Neu ist auch, dass wir sehr konkret vorschlagen, welche Gebiete mit hoher Priorität geschützt, stabilisiert oder wiederhergestellt werden müssen“, sagt Studienautor Prof. Dr. Pierre Ibisch.

„Die Daten bestätigen, was wir seit Jahren beobachten“, sagt Maria Vlaic, Landesvorsitzende des NABU Sachsen. Jedes Frühjahr betreuen NABU-Aktive in ganz Sachsen Amphibienschutzzäune an Feuchtgebieten. Dabei zeigt sich: Die Zahl der Amphibien, die zu ihren Laichhabitaten wandern, nimmt kontinuierlich ab. An einigen Standorten werden inzwischen keine Schutzzäune mehr aufgebaut, weil kaum noch Tiere zu ihren Laichgebieten wandern. Die Ehrenamtlichen des NABU können dort lediglich noch dokumentieren, dass geeignete Lebensräume verloren gegangen sind.

Gleichzeitig zeigt der Index: Renaturierung wirkt. Wo natürliche Prozesse zugelassen und geschädigte Ökosysteme wiederhergestellt werden, können Landschaften ihre Funktionen zurückgewinnen, etwa durch regenerative Landwirtschaft mit Zwischenfruchtfolgen, die Wiedervernässung von Mooren, die Renaturierung von Flüssen und Auen oder mehr Grün in den Städten.

Dass die Bevölkerung diesen Weg unterstützt, zeigt auch eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des NABU: Über 80 Prozent der Menschen in Sachsen  befürworten das EU-Gesetz zur Wiederherstellung der Natur. Die Ergebnisse unterstreichen den breiten gesellschaftlichen Rückhalt für die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme und für Renaturierungsmaßnahmen als wirksamen Beitrag zum Klima-, Natur- und Hochwasserschutz.

Der NABU fordert Bund und Länder auf, die natürliche Infrastruktur konsequent zu stärken. Auch in der derzeitigen Haushaltslage darf Natur nicht ins Hintertreffen geraten, denn nur intakte Ökosysteme sichern unsere Lebensgrundlage und Wohlstand. Die angekündigten Haushaltskürzungen im Bereich der sächsischen Naturschutzförderungen sind vor diesem Hintergrund nicht nachvollziehbar.



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